Aus den Buchbesprechungen "Nur eine Berlinerin"

Mit vier vorliegenden Bänden unter dem obigen Gesamttitel hat Gisela Stange eine die Literatur der Neuzeit bereichernde Arbeit mit ausgeprägtem dokumentarischem Charakter vorgelegt.

Band 1: „DIE HEILE WELT IN DER FAMILIE!“ 1929 – 1939 ISBN 3-8334-0454-X

1929 in Berlin geboren, wächst sie in einer gutbürgerlichen, intakten Familie geliebt und geachtet mit drei weiteren Geschwistern auf. Diese geborgene Kindheit, in deren Zeit auch die Weltwirtschaftskrise, die Massenarbeitslosigkeit und der Nationalsozialismus das Leben ganzer Klassen und Schichten beeinflussen und zu Turbulenzen führen, wird im ersten Band ausführlich beschrieben. Kinderspiele, Rituale in der Familie, Religion und ihre Ausübung sowie die Liebe zur Natur bestimmen fernab von gesellschaftlichen Verwerfungen die glücklichen KINDERJAHRE. Beschrieben sind auch die um sich greifenden Einschnitte in das Leben (Rassengesetze, Fremdenfeindlichkeit, äußere Merkmale der NS. Politik) in der Nachbarschaft, im Freundeskreis, in der Straßenbahn und in der Schule.

Band 2: „DER VERDAMMTE KRIEG1“ 1939 – 1945 ISBN 3-8330-0534-3

Gisela Stange entwickelt sich vom Kind zur selbstbewussten Jugendlichen, die ihr Organisationstalent entwickeln und ausleben konnte. Es war ihr nützlich. Geschildert ist, wie die nationalsozialistische Ordnung keine Alters-, keine Berufs-, und keine soziale Gruppe auslässt, um systematisch das Gedankengut und die Ordnungsstrukturen der „Herrenmenschen“ zu infiltrieren. Am eigenen Beispiel ist überzeugend dargestellt, wie die KINDERLANDVERSCHICKUNG, Der JUNGMÄDELBUND und das veränderte Leben in der Familie funktioniert haben. Erschütternde Bilder von den angloamerikanischen LUFTANGRIFFEN auf Berlin, von ZERSTÖRUNG, NOT und ELEND und großem menschlichen Leid beim totalen Zusammenbruch des Staates. BILDER, DIE DEN KRIEG HASSEN LEHREN. Die Quellenliteratur, Chronologie und Anhänge machen diese Arbeit besonders wertvoll, weil sie auch für Schüler, Studenten und Historiker, die sich mit diesem Zeitraum der Zeitgeschichte und dem schwierigen Neuanfangs befassen.

Band 3: „NEUES LEBEN WÄCHST AUS DEN RUINEN“ 1945 – 1989 ISBN 3-8334-2096-0

In ihrem Rückblick auf die Nachkriegszeit in Berlin verknüpft sie ihren BERUFLICHEN WERDEGANG mit zeitgeschichtlichen Skizzen, vornehmlich der Sozialpolitik im geteilten Berlin. Es entfaltet sich ein lesenswertes Panorama der sozialen Probleme der Stadt, des Alltags unter der Blockade ende der 40er Jahre, des 17.Juni 1953 und des Mauerbaus 1961. Als engagierte Gewerkschafterin der DAG beschreibt sie den Wiederaufbau der Gewerkschaften und die Arbeitsbedingungen nach dem Kriegsende. Vielfältiges ehrenamtliches Engagement in Sozialen Verbänden und kommunalpolitischen Gremien wird neben der beruflichen Tätigkeit beim Senator für Jugend und Sport und der Senatsverwaltung für Verkehr und Betriebe sichtbar. Berufsbegleitend erwirbt sie die STAATSEXAMEN ALS HEIMERZIEHERIN, SOZIALARBEITERIN und mit 49 Jahren schließt sie ihr Studium als DIPLOMPÄDAGOGIN mit dem Schwerpunkt ERWACHSENENBILDUNG 1978 an der Freien Universität Berlin ab. Im Mai 1989 geht sie in den RUHESTAND.

Band 4: „Ruhestand – Unruhestand?“ 1989 – 2004 ISBN 3-8334-4102-X

Loslassen lernen und neue Erlebnisse aufnehmen wechseln im Alltag. Sie lässt die Leser teilnehmen an Erlebnissen beim ZUSAMMENWACHSEN VON OST UND WEST. In einer KONFRONTATIONS-THERAPIE besucht die Autorin noch einmal die Orte des eindrücklichen Geschehens. Gisela Stange erweitert ihren Horizont auch durch FERNREISEN NACH NEUSEELAND, AUSTRALIEN UND SÜDAFRIKA. Als wahre „Goldgräberin“ sucht sie das Einmalige, das Gemeinschaftliche, das Solidarische und das Humane in den stürmischen und leisen Zeiten. Neue Freundschaften mit Menschen aus den neuen Bundesländern werden geschlossen. BEIM GRUNDTVIG- EUROPAPROJEKT des Heimatmuseums Treptow wirkt sie in zwei Teilbereichen mit. Hier ist das Feld auf dem sich Gisela Stange einbringt und auch Spuren hinterlässt. Wertvoll ist auch die kleine CHRONIK DER EUROPÄISCHEN ENTWICKLUNG (S.192/193). Beeindruckend das Lebensresümee S.214 – 217). Im Zeitraffer lässt sie den Gang der Dinge passieren und macht ihn an wissenschaftlich-technischen und kulturellen Leistungen fest. Humorig und sinnvoll zugleich. Wenn man in der UPTER (Volkshochschule in Rom) ihre Texte im Geschichtsunterricht in deutscher Sprache verwendet, schließt sich ein europäischer Kreis und Gisela Stange fühlt sich verstanden. ES IST AUFGESCHRIEBEN, DAMIT ES NICHT VERGESSEN WIRD.

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